Schifffahrtsbranche im Bann der Finanzkrise

Jetzt ist Krisenmanagement angesagt

Die Turbulenzen der Finanzmärkte haben inzwischen auch deutsche Schiffsbanken und Fondshäuser sowie Reeder erreicht. Vor dem Hintergrund des schwindenden Vertrauens der Anleger in den Kapitalmarkt sind die Einwerbungsergebnisse vieler Fondshäuser eingebrochen, der Schiffskreditmarkt praktisch ausgetrocknet und das Marktumfeld der Schifffahrt von sinkenden Transportmengen und hohem Auftragsbestand sowie zum Teil drastischen Ratenrückgängen gekennzeichnet.

„Wir haben das Wort Krise in das Leitthema unseres Forums aufnehmen müssen, doch wollen wir keine Panikmache betreiben“, sagte Schiffsfinanzierungsexperte und Forumsleiter Jürgen Dobert am Donnerstag in Hamburg auf dem 12. Schiffsfinanzierungsforums der Fachzeitschrift „HANSA“ ,zu dem Chefredakteur Ralf Hinrichs die Rekord-Teilnehmerzahl von mehr als 800 Branchenvertretern begrüßen konnte. Zwar werde in Teilbereichen von Schiffbau und Schifffahrt noch Geld verdient, doch seien die Zeiten der Höhenflüge vorerst gestoppt., meinte Dobert, der dabei auch auf den hohen Auftragsbestand deutscher Reeder von mehr als 1314 Schiffen mit 42 Mio. BRZ im Wert von 62,2 Mrd. Dollar hinwies, deren Finanzierung noch nicht in allen Fällen gesichert sei. Die weltweite Finanzkrise treffe die Schiffsbanken und die Kapitalanleger seien verunsichert, was die Eigenkapitalbeschaffung erschwere. Der Mix aus Bankenkrise und versiegendem Eigenkapital berge erhebliche Sprengkraft. Besonders für Reeder, die zahlreiche Neubauten bestellt haben, könne es eng werden, wenn es an Eigenkapital und Fremdmitteln fehle. Deshalb sei jetzt Krisenmanagement angesagt und das Motto „Schifffahrt und Schiffbau im Bann der Bankenkrise“ keineswegs eine Übertreibung.

Prof. Dr. Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaf und Logistik in Bremen geht vor dem Hintergrund des die Nachfrage übersteigenden Zulaufes neuer Containerschiffe – bestellt sind 1350 Schiffe - davon aus, dass es zu einer „Delle“ im Chartermarkt kommt und die Raten in den nächsten Monaten weiter fallen. Erst Ende 2009/Anfang 2010 könne eine Erholung erwartet werden, insbesondere wenn die Bestellungen reduziert und möglicherweise einige Schiffe nicht gebaut würde In diesem Jahr werde der Containertransport noch um acht Prozent zulegen, im nächsten Jahr nur noch um 3 – 4 Prozent wachsen und sich mittelfristig auf 6 – 8 Prozent einpendeln. Dramatischer sei die Lage bei den Massengutfrachtern, deren Markt bereits dramatisch eingebrochen sei, Zusätzlich zur fahrenden Flotte von 7400 Einheiten seien 3400 weitere Schiffe bestellt , so dass ein Tonnagezulauf von 18 Prozent einem Nachfragewachstum von nur vier Prozent gegenüberstehen. Durch Verschrottungen und Stornierungen könne sich der Zulauf auf 16,5 Prozent reduzieren. Für das kommende Jahr sei eine ähnliche Entwicklung wie in der Containerfahrt zu erwarten. Einem möglicherweise auch durch die Finanzkrise beschränkten Tonnagewachstum von 13,5 Prozent stehe eine nur um drei Prozent wachsende Nachrage gegenüber. Wegen des hohen Verschrottungspotenzials und die Möglichkeit, dass 30 Prozent des Auftragsbestandes mangels Finanzierungsmöglichkeit und Problemen der so genannten Greenfield-Yards in China nicht gebaut werden, geht er davon aus, dass ab 2010 wieder mit steigenden Raten gerechnet werden kann. Weniger dramatisch sei es bei Tankern, deren Markt in diesem Jahr noch um ca. 2,9 Prozent wachse Langfristig sei von einem Marktwachstum von 2 – 3 Prozent auszugehen. Insgesamt sehe er aber einen Silberstreif, denn die Schifffahrt sei unverändert ein Wachstumsmarkt. Mit einer Besserung sei allerdings nicht kurzfristig, sondern frühestens ab 2010 zu rechnen.

Thomas Rehder von der Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten wies darauf hin, das zwar heute auf jeden Charterabschluss für ein Containerschiff fünf bis acht unbefrachtete Schiffe kommen und die Märkte für Massengutschiffe dramatisch eingebrochen sind, doch glaube er, dass bei einer möglicherweise schon im zweiten Quartal 2009 zu erwartenden Stabilisierung der Handelsmärkte die Kunden auf Basis gesicherter Planungsgrundlagen wieder stärker mit Tonnage eindecken könnten. Die realwirtschaftlichen Bedingungen mit niedrigen Bunkerpreisen und niedrige Boxraten seien positiv zu bewerten und nach einem Tal gebe es viel bessere Bedingungen für einen Aufschwung, den er viel schneller erwarte, „als wir uns heute vorstellen können“. Jedenfalls sei die Wende noch vor 2010 zu erwarten, zeigte er sich optimistisch.

Dr. Hans-Heinrich Nöll, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), unterstrich die positiven Auswirkungen der Tonnagesteuer, deren Erhalt an bestimmte Zusagen der Reeder wie die Stärkung der Schifffahrt unter deutscher Flagge und Verstärkung der Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für deutsches Personal geknüpft ist. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die bis Ende 2008 zugesagte Erhöhung der unter deutscher Flagge im internationalen Verkehr eingesetzten Schiffe von 400 auf 500 trotz der Finanzkrise nicht nur erreicht, sondern möglicherweise überschritten wird. Aktuell seien es bereits 470 Schiffe.




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