Nass und anstrengend - Foto: Gilles Martin-Raget

America´s Cup World Series San Francisco: Das Imperium schlägt zurück!

Weniger als ein Jahr vor Beginn des America´s Cups im kalifornischen St. Francisco, segelten die AC45 die letzte Regatta auf dem Revier, auf dem im Herbst 2013 der neue America´s Cup-Sieger ermittelt wird.
Eines hat diese Station der aktuellen America´s Cup World Series gezeigt: Die jungen Wilden halten Einzug.

Goldmedallien-Gewinner haben schon immer um den America´s Cup gesegelt. Doch hatten noch nie so viele junge Olympiasieger an Bord das Sagen.
49er-Goldmedallien-Gewinner Nathan Outteridge wechselte nach seinem Einstand bei Team Korea zum Challenger of Record „Artemis Racing“. In St. Francisco skipperte der 26-Jährige mit „Red“ das Zweitboot der Schweden. Dabei durfte Outteridge Artemis-CEO Paul Cayard sagen, wo es langgeht. Cayard, einer der besten Segler der Welt, dazu scherzhaft: „Als ich ein junger Mann war und an meinem ersten America´s Cup teilgenommen habe, standen die ganzen erfahrenen Segler hinten im Boot. Heutzutage kommen die jungen Kerle mit ihren Goldmedaillen, stellen sich an die Pinne und wir Älteren sind auf dem Vorschiff – verkehrte Welt.“
Auch Outteridges Nachfolger bei Team Korea, der 21 Jahre alte Peter Burling, sowie China Teams 25-jähirger Phil Robertson bestätigen den Trend.

Der britische Rekord-Olympiasieger Ben Ainslie zählt mit 35 Jahren da fast schon zum alten Eisen. Nachdem der Ausnahmesegler im heimatlichen Weymouth seine vierte Goldmedaille gewinnen konnte, ist er vom Finn auf den AC45 umgestiegen. Während die erste Regatta nach den Olympischen Spielen im August eher enttäuschend war, hat Ainslie zusammen mit Russell Coutts und James Spithill ein vierwöchiges Intensivtraining in St. Francisco absolviert. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Bei den Match Races konnte Ainslies „J. P. Morgan BAR“-Team zwar noch nicht überzeugen. In der Endwertung landete der Brite mit Platz 7 im Mittelfeld. Doch bei den Fleet Races spielte Ainslie seine Klasse aus und zeigen, warum er einer der weltbesten Segler ist.

Gleich das erste Rennen der Serie konnte gewonnen werden. Nach dem ersten Tag übernahm Ainslie die Gesamtführung vor den beiden ORACLE-Booten von James Spithill und Russell Coutts. Mit Platz 1 und 2 konnte Ainslie die Führung am Folgetag sogar noch ausbauen. Spithill und vor allem Coutts zeigten am zweiten Tag Schwäche und fielen zurück.

„King Ben“ führte am dritten Wettfahrttag seine Dominanz weiter eindrucksvoll vor. Nach 6 von 7 Rennen lag „J. P. Morgan BAR“ mit 11 Punkten Vorsprung an der Spitze, vor dem Gesamtzweiten, der schwedischen “Artemis Racing – White“ mit Skipper Terry Hutchinson.

Mit einem solchen Ergebnis sollte der Gesamtsieg nach dem letzten Rennen wenig gefährdet sein. Doch wäre der America´s Cup nicht der America´s Cup, wenn es so einfach wäre. Nicht umsonst stand der Pokal über 130 Jahre im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“.
Das filmreiche Comeback gelang dann ironischerweise auch America´s Cup-Verteidiger James Spithill. Auf Gesamtrang 4 liegend leistete sich der Australier schon einen klassischen Fehlstart und kam als letztes der 11 Boote an der ersten Bahnmarke an. Für Ainslie schien alles sicher. Spithill und seine Crew pflügten im Anschluss aber regelrecht durch das Feld und überholten Boot um Boot. Auch Spithills Teamkollege Coutts schien seine Schwäche der vergangenen Tage abgelegt zu haben. So gewann Spithill die letzte Wettfahrt vor Coutts. Ainslie wurde Vierter. Durch die besondere Wertung der letzten Wettfahrt – die Punkte wurden vervierfacht – konnte sich Spithill so, nach drei enttäuschenden Tagen doch noch den Gesamtsieg in den Fleet Races sichern. Der all die Tage stark segelnde Ainslie endete auf Platz 2.

Mit diesem ungewöhnlichen Sieg macht Spithill die zweite Regatta der 2012/2013 World Series für sich perfekt. Bereits am Vortag gewann der Australier mit „ORACLE TEAM USA SPITHILL“ das Final im Match Race. Bereits im Vorstart luvte er Dean Barkers „Emirates Team New Zealand“ aggressiv an. Die Kiwis mussten wenden und waren quasi aus dem Rennen, während Spithill mit Vollgas starten und einen 18-Sekunden-Vorsprung ins Ziel bringen konnte.

Bemerkenswert war die mentale Stärke von Spithill und seiner Crew. Eine Stunde vor dem Match Race-Finale kenterte der ORACLE-Katamaran nach einer Tonnenrundung.

Und die Jungen? Nathan Outteridge beendete die Regatta mit Platz 4 im Match Race und Platz 6 in der Flotte im guten Mittelfeld. Burling und Robertson teilten sich den Schluss der Wertung mit den schwachen Teams von „Luna Rossa“.
Ein bisschen noch wie „Jugend forscht“ – aber auf ganz hohem Niveau.

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