BMW streicht die Segel. Foto Heinrich Hecht.

Kommentar: BMW streicht die Segel. Raus aus dem Spiel der Millionäre. Zurück zu den Ursprüngen?

Traditionell ist der America´s Cup die Spielweise der reichen Männer. Der richtig, richtig reichen Männer. Das hat allerdings auch immer einen Teil der Faszination ausgemacht. Es ist doch toll, mit welcher Akribie Millionen in Segelmaschinen gesteckt werden, die (meistens) die Spitze der Entwicklung darstellen. Und dann gibt es einen dramatischen Showdown. Tolle Unterhaltung. Tolle Bilder. Tolle Technik. Aber ist das Sport? Und wofür brauchen die richtig reichen Männer Sponsoren? Die haben doch genug Spielgeld.

Nun steckt BMW kein Geld mehr in ein Team, das genug davon hat. Wir finden das gut. Es gibt genug Bereiche im Sport (vor allem im Segelsport), wo sportliche Leistung (und weniger die Technologische) belohnt werden sollte. Wir kennen viele Segler, die Jahre Ihres Lebens in den Sport investieren, hervorragend segeln, und trotzdem immer am Existenz-Minium leben, und mit einer Förderung mehr erreichen würden. Oder Segelveranstaltungen, die nur dank ehrenamtlichen Engagement stattfinden, und die gut eine Spritze gegen Sorgen vertragen könnten.
Am Rande: Auch die Nordseewoche, mit dokumentierten 14 Mio. Kontakten im Jahr eine der prominenteren Segelveranstaltungen in Deutschland, wird hauptsächlich ehrenamtlich organisiert und könnte eine Finanzspritze brauchen. Dafür würde sich das Team ein Bein ausreißen, dem Sponsoring einen Gegenwert zu bieten (das unterscheidet schließlich Sponsoring von Spenden).

Es bleibt zu hoffen, dass BMW dem Segelsport treu bleibt und Empfänger für Sponsorengelder findet, die das wirklich nötig haben und das zu schätzen wissen. Richtig kommuniziert, dürfte es die Marke zudem sympathischer machen. Und den Sportgedanken wieder etwas in den Vordergrund bringen.

Zur Erinnerung:
"Sport" ist ein kulturelles Tätigkeitsfeld, in dem Menschen sich freiwillig in eine wirkliche oder auch nur vorgestellte Beziehung zu anderen Menschen begeben mit der bewussten Absicht, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten insbesondere im Gebiet der Bewegungskunst zu entwickeln und sich mit diesen anderen Menschen nach selbstgesetzten oder übernommenen Regeln zu vergleichen, ohne sie oder sich selbst schädigen zu wollen. - Prof. Dr. Claus Tiedemann, Universität Hamburg.


Der offizielle Pressetext:

BMW beendet Engagement im America’s Cup. Technologie-Partner von ORACLE Racing bedankt sich für die erfolgreiche Partnerschaft.

23.12.2010 München. BMW beendet zum Jahresende seine langjährige Partnerschaft mit ORACLE Racing und wird künftig nicht mehr im America’s Cup vertreten sein. Darauf haben sich beide Partner geeinigt. BMW und ORACLE Racing traten 2002 mit ehrgeizigen Zielen an und schlossen ihre gemeinsame Mission mit dem größtmöglichen Erfolg ab: dem Sieg beim America’s Cup.

Die Partnerschaft war vom intensiven Austausch von Technologien und Wissen zwischen dem Automobilhersteller und dem Segelteam geprägt, der speziell im Bereich „Structural Engineering“ und im Bereich der Hochmodul-Verbundkonstruktionen zahlreiche Innovationen hervorbrachte. Dieser Technologietransfer hatte großen Anteil daran, dass beide Partner im Februar 2010 den Gewinn des America’s Cup feiern konnten. Zuvor hatte die USA 17, die schnellste Yacht in der Geschichte dieses Wettbewerbs, das 33. America’s Cup Match vor der Küste von Valencia (ESP) mit 2:0 deutlich für sich entschieden.

„In punkto Design und Ingenieurskunst haben die BMW Techniker neue Maßstäbe hinsichtlich des intelligenten Leichtbaus gesetzt“, sagt Ralf Hussmann, Leiter BMW Sportmarketing und Kooperationen. „Mit dem Triumph beim 33. America’s Cup haben wir alle unseren hochgesteckten Ziele erreicht. Wir werden dem Segelsport auch weiterhin auf nationaler Ebene verbunden bleiben.“

„Der America’s Cup verbindet eine technologische mit einer sportlichen Herausforderung – und der Erfolg lässt sich an den Ergebnissen auf dem Wasser messen“, meint Russel Coutts, CEO von BMW ORACLE Racing. „Vor diesem Hintergrund können sowohl das Team als auch BMW stolz darauf sein, dass unsere Zusammenarbeit zum Sieg geführt hat.“
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